Wie durch ein Landschaftsfenster blickt eine Gruppe Radfahrer durch die Lücke im Baumbestand des Bahndamms auf die weiten Ackerflächen bei Evinghoven. Der Weg ist mit einer Regelbreite von 2,5 Meter zuzüglich 0,5 Meter Bankette zu beiden Seiten auf einem soliden Unterbau angelegt. Rechts im Bild eine der sieben Basaltscheiben des in Helpenstein aufgewachsenen Bildhauers Ulrich Rückriem.

Der Strategische Bahndamm

 

Die Wegdecke des strategischen Bahndamms zwischen Helpenstein und Rommerskirchen wurde im vergangenen Jahr erneuert. Der Bahndamm ist nun durchgehend befahrbar und sogar barrierefrei zugänglich für Freizeit- und auch Alltagswege.

 

Der Strategische Bahndamm ist eine 13 Kilometer lange schmale mit Bäumen und Büschen bestandene Struktur in der ansonsten offenen Agrarlandschaft des Rhein-Kreis Neuss zwischen Neuss, Grevenbroich und Rommerskirchen. Die Bäume bieten im Winter Schutz vor Kälte und Wind und spenden im Sommer kühlenden Schatten. Mit seinem Bewuchs war der Bahndamm in unserer eher waldarmen Gegend bereits in der Vergangenheit fester Bestandteil der Naherholung. Doch lange Zeit führte dieses Bodendenkmal als schwer zugänglicher, verwilderter Fuß- und Reitweg und buckliger Trail für Mountainbiker ein Schattendasein. Das hat sich im vergangenen Jahr grundlegend geändert. Der Weg wurde komplett saniert und ist jetzt zwischen dem  Rommerskirchener Bahnhof und der Erft gut mit dem Fahrrad befahrbar. Die wassergebundene Decke bietet zwar nicht den gleichen Komfort wie Asphalt, war aber auf einer Probebefahrung auch nach einem Regentag im November noch fest. Die Sanierung fand unter Federführung der Gemeinde Rommerskirchen statt, die den größten Anteil am Bahndamm hat.

Barrierefreier Bahndamm für alle

Eines der Hauptziele des Projekts war, den Bahndamm barrierefrei zu gestalten, damit alle Menschen ihn benutzen können. Neun breite Rampen mit Rollstuhl- und Kinderwagen- gerechter Steigung von maximal sechs Prozent machen ihn heute für Radfahrende, Spaziergänger und Menschen mit Behinderung gleichermaßen gut zugänglich. Er ist ideal geeignet für Familienausflüge mit Programm, denn viele interessante Ziele im ländlichen Raum zwischen Neuss, Grevenbroich und Rommerskirchen sind über den Bahndamm mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Allerdings wird der Damm an einigen Stellen von Straßem unterbrochen. Hier wird man für Sicherheit der Nutzer noch Querungshilfen einrichten müssen. An der sehr stark belasteten Landstraße 142 bei Neukirchen ist sogar eine Brücke im Gespräch.

Der Bahndamm als Ortsverbindung

Mit der barriefreien Ausstattung und dem grundsanierten Weg ist der Strategische Bahndamm auch für Alltagswege mit dem Fahrrad aufgewertet worden. Auch das war ein Ziel des Projekts. Im Konzept heißt es dazu:

„Der Strategische Bahndamm verbindet auf kurzem Weg zahlreiche Ortschaften und führt direkt zum Bahnhof Rommerskirchen im Süden und zur Museumsinsel Hombroich im Norden. Er besitzt dadurch ein hohes Potential als alltagstaugliche Wegeverbindung: als Weg zur Arbeit und wieder nach Hause, als Schulweg, als Weg von Ort zu Ort, zum Besuch von Freunden und Nachbarn. Um dieses Potential zu entfalten, müssen vor allem die Anbindungen der Orte an den Bahndamm baulich optimiert werden.“

Im Süden ist der Bahndamm gut an den Rommerskirchener Bahnhof angebunden, wo man mit dem Regionalexpress nach Köln, Grevenbroich, Jüchen und Mönchengladbach weiterfahren kann. Noch in diesem Jahr wird dort eine neue Radstation eröffnen und Service für Pendler mit Rad und Bahn anbieten.

Im Norden bietet der Erftradweg eine autofreie Route nach Neuss, und über Minkel gelangt man zum Holzheimer Bahnhof mit Bahnanschluss nach Neuss, Düsseldorf, Grevenbroich und Bedburg. Es wäre sehr zu wünschen, dass die Stadt Neuss die Anschlüsse in Helpenstein ebenso komfortabel und barrierefrei ausbaut wie die Gemeinde Rommerskirchen am anderen Ende. Denn über den Erftradweg und die Fietsallee am Nordkanal eröffnet sich eine Radroute ganz im Grünen bis in die Neusser Innenstadt und an den Rhein.

Historisches

Die Verbindung von Rommerskirchen zum Neusser Hafen sollte einmal Teil einer Eisenbahnstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und der Südwestgrenze Deutschlands werden und die Rheintallinien entlasten. Die Eisenbahn ab Rommerskirchen wäre für den lokalen Verkehr und den Transport von Braunkohle aus dem Bergheimer Revier zum Neusser Hafen vorteilhaft gewesen. Sie hatte aber auch eine kriegerische Bedeutung, denn militärstrategisch hätte diese Bahnlinie als Teil des Schlieffen-Plans den raschen Aufmarsch der deutschen Truppen gegen Frankreich ermöglicht.  Tatsächlich wurde die Bahnstrecke ab 1904 geplant und 1913 mit den Bauarbeiten begonnen. Nach dem ersten Weltkrieg baute man bis 1922 weiter  und errichtete Bahndämme, Brücken, Durchlässe sowie Bahnhofsanlagen. Gleise wurden auf den 13 Kilometern zwischen Holzheim und Rommerskirchen jedoch nie verlegt, denn in der Pariser Botschafterkonferenz vom 25. Mai 1922, welche für die Umsetzung der Nachkriegs-Friedensordnung zuständig war, wurde nur der Bau einer eingleisigen Strecke ohne Anschlüsse an bestehende Querlinien von Holzheim nach Neuss genehmigt. Der Weiterbau wurde dann aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt. Auch spätere Versuche der anliegenden Gemeinden, die Strecke fertig zu bauen, wurden von der Reichsbahn abgelehnt.

Ulrich Rückriems „Sieben Scheiben“

Eine erste Wiederentdeckung als Erlebnisraum erfuhr der Bahndamm im Rahmen der Euroga 2002 plus mit dem Kunstprojekt "Sieben Scheiben" des international renommierten Bildhauers Ulrich Rückriem. Wer den Bahndamm von Anfang bis Ende erwandert oder erfährt, entdeckt sieben Granit-Skulpturen, in großen Abständen verteilt über die gesamte Länge des Strategischen Bahndamms. Der  Künstler verbrachte seine Kindheit in Helpenstein am Nordende des Strategischen Bahndamms und unterhält am Rande des Kulturzentrums Sinsteden zwei Skulpturenhallen mit seinen Werken.

Wissenswertes

Unterwegs interessant ist die unterschiedliche Gestaltung der Brücken, mit denen Straßen und Feldwege überbaut wurden, um Kreuzungen zu vermeiden. Dazu gehören sowohl Bogenbrücken als auch Flachbrücken. Diese Bauwerke dienen noch heute dem landwirtschaftlichen Verkehr. Der Damm ist Eigentum der drei Kommunen Rommerskirchen, Grevenbroich und Neuss. Reiten ist nach Abschluss der Wegebauarbeiten auf dem neu angelegten Weg nicht erlaubt. Auf bestehenden Reit- und befestigten Forstwegen abseits des neuen Weges kann aber geritten werden.

Ausflugsziele rund um den Bahndamm.

Die Karte zeigt einige ausgewählte Ausflugsziele, die über den Strategischen Bahndamm mit dem Fahrrad gut zu erreichen sind. Auf Neusser Gebiet findet man ganz in der Nähe die Insel Hombroich, das Helpensteiner Hildegundis-Kapellchen und das Alte Bootshaus mit Einkehr unter Sonnenschirmen. Auch der Kinderbauernhof und das Hofcafé Ehl sind vom Bahndamm aus gut zu erreichen. Folgt man den ausgeschilderten Wegen Richtung Grevenbroich, gelangt man zum prächtigen Schloss Hülchrath und zum Kloster Langwaden, dessen Biergarten zum Verteilen einlädt. Viele weitere schöne Ziele findet man rechts und links, wenn man dem Bahndamm nach Süden Richtung Rommerskirchen folgt. Dazu gehört die Lambertuskapelle in Ramrath, eine der ältesten Kapellen im Rheinland (9. bis 12. Jahrhundert). Sie ist auf einem künstlichen Hügel über dem Gillbach errichtet. Haus Horr ist ein ehemaliger Adelssitz. Über eine Allee ist das Herrenhaus mit einer Schlosskapelle verbunden, die dem Heiligen Johann Nepomuk geweiht ist und direkt am ausgeschilderten Radweg liegt. Die Wasserburg Anstel ist das älteste profane Baudenkmal von Rommerskirchen. 1155 wurde die Burg in einer Urkunde von einem „Sigefridus de Anstele“ erstmals erwähnt. Als Besitzer der Burg wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Familie „de Anstele“ genannt, die sich ab 1209 „Ritter von Anstel“ nannten und nach 1270 nur noch „Knappen“. Ständiger Begleiter des Bahndamms im Abstand von ein bis zwei Kilometern ist der Gillbach, der in Niederaußem entspringt und uns auf seinem Weg bis zu Mündung in die Erft immer wieder als idyllisches Gewässer begegnet, etwa in Butzheim oder renaturiert zwischen Hülchrath und Münchrath. Wer kulturell interessiert ist, macht einen Abstecher zum Landwirtschaftsmuseum Sinsteden. Für die ganze Familie eignet sich ein Besuch beim Feldbahnmuseum Oekoven, und ein Geheimtipp für kulinarisch Interessierte ist das portugiesische Einkaufszentrum mit Café am Rande eines Rommerskirchener Gewerbegebietes. Naturfreunde kommen auf ihre Kosten, wenn sie bei Butzheim dem Lößhohlweg folgen, einem in die Landschaft eingeschnittenen einzigartigen Biotop.

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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